♥ Rezension,  Dystopie

Rezension: Bitterzart

KLAPPENTEXT
New York 2083: Wasser und Papier sind knapp, Kaffee und Schokolade sind illegal. Smartphones sind für Minderjährige verboten und um 24 Uhr ist Sperrstunde. Die Balanchine Familie ist das Zentrum des illegalen Schokoladenhandels in New York. Doch die Eltern von Anya Balanchine sind bereits tot, und Anya ist mit 16 Jahren das Familienoberhaupt. Sie kümmert sich um ihre Geschwister und die kranke Großmutter, und versucht, sie alle möglichst aus dem illegalen Familiengeschäft rauszuhalten.
Von ihrer ersten großen Liebe Win kann sie sich allerdings nur sehr schwer fernhalten, dabei ist er ausgerechnet der Sohn des Oberstaatsanwaltes – ihres schlimmsten Feindes…


MEINE MEINUNG
Macht euch einen schönen warmen Kakao, setzt euch in euren Lieblingssessel und dann genießt, wie Anya Balanchine euch erzählt, was sie als junge Erwachsene erlebt hat. 

Von der ersten Seite an habe ich mich gefühlt, als würde Anya mir gegenübersitzen und ihre Geschichte persönlich erzählen. Bitterzart ist aus der Ich Perspektive und in der Vergangenheit geschrieben, aber den besonderen Feinschliff bekommt die Erzählweise dadurch, dass Anya immer wieder kleine Dinge einwirft, die sie erst rückblickend wissend konnte und das macht es einerseits interessanter, andererseits aber auch lebhafter zu lesen. Wie man eben auch selbst eine Geschichte erzählen würde. Manche Passagen, besonders die, die in der direkten Rede geschrieben sind, vermitteln aber das Gefühl, hautnah mit dabei zu sein, wodurch ich mich des Öfteren direkt in die Geschichte gezogen gefühlt habe. 

Anya ist eine sehr außergewöhnliche Protagonistin. Bereits in jungen Jahren wird sie zur Waise und muss deswegen früh erwachsen werden. Sie muss sich um ihre süße kleine Schwester Natty und ihren älteren Bruder Leo kümmern, der nach einem Unfall schwere geistige Probleme hat und die Rolle des Familienoberhauptes nicht übernehmen kann. Anyas Großmutter ist an das Bett gefesselt und kann ihr auch nur in seltenen Fällen helfen. Dass Anya daher ein wenig „unjugendlich“ wirkt ist verständlich. Umso verständlicher sind aber ihre Gedanken an ihren „Daddy“, dessen Ratschläge sie sich immer wieder in Erinnerung ruft und sie zu befolgen versucht. Sie muss in ihrem Alter schon viele wichtige Entscheidungen treffen und es überfordert sie manchmal, auch wenn sie sich das nicht eingestehen will. Dennoch ist Anya eine unglaublich sympathische Protagonistin, weil sie ein riesiges Herz hat und für ihre Familie einfach alles tun würde. Ihre Loyalität und ihre Hingabe sind beneidenswert. Zudem hat sie sich trotz allem ihren Humor bewahrt und verleiht der Geschichte somit  viele unterhaltsame Passagen, die mich haben Schmunzeln lassen.

Entgegen aller Erwartungen ist Bitterzart keine typische Dystopie. Das einzig dystopische daran ist der Weltenentwurf, in dem die Welt noch in ihrem jetzigen Zustand besteht und lediglich einige Ressourcen rationiert, nicht mehr erhältlich oder verboten sind. Das ist einerseits vorteilhaft, weil man sich nicht groß „umgewöhnen“ muss, andererseits aber auch etwas simpel. Die eigentliche Handlung hat nichts dystopisches an sich. Man könnte es eher als eine Mafia-Familiengeschichte beschreiben. Es wird Blut vergossen, allerdings nicht in dem Maße, wie man es vielleicht erwarten würde. Ein sehr hinterlistiger Anschlag auf Anyas Familie gibt ihr und dem Rest der Stadt Rätsel auf und Anya selbst gerät in Verdacht. Zu einem gewissen Zeitpunkt erinnert alles an einem Krimi, an dem ich sehr gerne mitgerätselt habe. Es war die  ganze Zeit über spannend, wenn auch an manchen Stellen etwas gemäßigter. Ich habe das Buch jedenfalls regelrecht verschlungen. 

Mit dem Auftritt von Win kommt dann auch Romantik ins Spiel. Ich mochte ihn von Anfang an, weil er einfach unglaublich gut zu Anya passt, gerade auch weil er oft genau das Gegenteil von Anya zu sein schein.  Er ist unglaublich humorvoll und weiß, wie er mit Anya umzugehen hat, weil er hinter die Fassade blicken kann und sich nicht von Gerede und ihrer manchmal harten Schale abschrecken lässt. Ich mag die beiden zusammen sehr. Allerdings steht die Beziehung der beiden unter keinem guten Stern und des Öfteren wird sie hart auf die Probe gestellt. Die Geschichte erreicht einen Punkt, in dem viele bis dato unabhängige Teile miteinander verknüpft werden und zu einem Höhepunkt zusammenlaufen, der echt heftig ist. Ich bin jetzt schon furchtbar gespannt auf die Fortsetzung. 

FAZIT 
Wenn ihr nicht mit den falschen „dystopischen“ Erwartungen an Bitterzart herangeht, dann wird euch das Buch sicherlich überraschen. Ich selbst bin eigentlich kein großer Fan reiner „Mafia-Lebensgeschichten“, aber Anyas Geschichte fand ich interessant, spannend und wirklich schön erzählt. Sie ist eine sympathische Protagonistin die Unterstützung von vielen verschiedenen anderen Charakteren erhält, die alle auf ihre Weise eine wichtige Rolle spielen und das Familien- und Clan-Chaos perfekt machen. Ich freue mich jedenfalls wahnsinnig auf Band 2, vor allem nach dem Ende, das mich so neugierig gemacht hat! 

4 Pancakes für Bitterzart!

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